Das Problem Metropolregion

Ostfriesland besitzt weitaus mehr Potential, als derzeit genutzt wird und das ist uns nicht erst seit der Veröffentlichung des Armutsatlas des Paritätischen Gesamtverbandes im Mai 2009 bekannt. Die Einstufung als „ländliche Region“ im Landesraumordnungsprogramm des Landes Niedersachsen ist bei der notwendigen wirtschaftlichen Sanierung unserer Heimat sehr hinderlich. In Ostfriesland werden zurzeit nur die Zweige Landwirtschaft, Tourismus, Fischerei und maritime Wirtschaft gefördert. Alle anderen Bereiche sind nicht mehr förderungswürdig!

 

Aus diesem Grund hat sich das Land Niedersachsen auch nicht um den lukrativen U-Bootsbau in Emden gekümmert und zugelassen, dass Technologie und Arbeitsplätze nach Hamburg und Kiel verlagert werden.

 

Mit diesen Branchen alleine wird es uns jedoch nicht gelingen, Arbeitsplätze für hochqualifizierte junge Menschen zu schaffen, um der seit Jahrzehnten stattfindenden Abwanderung wirksam entgegenzutreten. Wir fordern daher mindestens die Aufwertung zur „Wachstumsregion“, um auch in die Lage versetzt zu werden, entsprechende Förderprogramme für die Entwicklung und Ansiedlung neuer, innovativer Betriebe nutzen zu können.

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Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe

Eine recht einfache, aber hochwirksame Methode, mehr Kaufkraft im Lande zu halten, ist die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe: wer hiesige Produkte bevorzugt, schützt den Arbeitsplatz seines Nachbarn; stärkt die Kommune bei der finanziellen Bewältigung ihrer Aufgaben; hilft, die Umwelt zu schützen und erhält im Gegenzug Produkte, die nach hiesigen Qualitätsstandards gefertigt wurden. Die Grundvoraussetzung dazu ist aber, erkennen zu können, woher etwas kommt. Deshalb fordern wir die Einführung eines Herkunfts- und Qualitätssiegels, das den Menschen die bewusste Entscheidung für regionale Produkte erleichtert. Es gibt einige vielversprechende Ansätze, aber auch dort liegt noch eine Menge Potential ungenutzt.

 

Gerade die hiesige Landwirtschaft könnte in besonderem Maße profitieren, wenn es gleichzeitig gelingt, sich über die Qualität der Erzeugnisse und mit einer entsprechenden Vermarktung aus dem Würgegriff der Discounter zu befreien und Zugang zu den gewinnträchtigen Märkten zu erlangen.

 

Wir fordern unbedingt verstärkte Investitionen in innovative Betriebe der nachhaltigen Energiegewinnung aus Wind- und Wasserkraft, der Energiespeichertechnologie und des klimagerechten Bauens, denen Ostfriesland ausgezeichnete Voraussetzungen bietet. Aber auch moderne Dienstleistungsunternehmen der Kommunikations- und Informationsbranche finden hier grundsätzlich gute Arbeitsbedingungen.

 

 

Tourismus

Im Tourismus sind erhebliche Anstrengungen erforderlich, um nicht von anderen Regionen abgehängt zu werden. Der „Masterplan Nordsee“ enthält hierzu vielversprechende Ansätze, die die Richtung für die künftige Entwicklung weisen, die aber endlich breit diskutiert und umgesetzt werden müssen. Die Anerkennung des Friesischen Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die UNESCO kann dazu beitragen, die Tourismusbranche umzubauen: Verhinderung eines Massentourismus á la „Ballermann“ und endlich die Sicherstellung eines nachhaltigen „sanften“ Tourismus, der die Belange der Natur berücksichtigt.

 

 

Infrastruktur

Die schwach entwickelte Infrastruktur der friesischen Gebiete ist eines unserer großen Sorgenkinder und ein wesentlicher Hemmschuh bei der Ansiedlung neuer Betriebe. Die Eisenbahnverbindungen zwischen Leer / Emden / Norden / Aurich / Wittmund und Wilhelmshaven müssen zum Teil wieder reaktiviert oder erweitert werden.
Nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Struktur völlig unzureichend, auch die Mobilität der älteren Menschen und Familien wird z.B. durch den kaum vorhandenen öffentlichen Personennahverkehr erheblich eingeschränkt bzw. verteuert.

 

Die Autobahn A31 zum Beispiel kam viel zu spät, um echte wirtschaftliche Impulse zu setzen und wäre wohl noch bis zum Jahr 2015 eine Baustelle gewesen, wenn nicht der Großefehner Unternehmer Rolf Trauernicht in beispielgebender Weise selbst die Dinge (und viel Geld!) in die Hand genommen hätte, um so die Realisierung der ersten privat finanzierten Autobahn der Bundesrepublik voranzutreiben.

 

Auch die Versorgung mit schnellen Zugängen zur weltweiten Kommunikation (DSL-Anschlüsse, Funknetzversorgung im UMTS-Standard) liegt derzeit weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück und verhindert so die Ansiedlung neuer Firmen, die diese Kommunikations- und Datentransfertechnologien als Voraussetzungen für ihre Arbeit benötigen.

 

Offenbar steckt die ehemalige Grenze zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik immer noch in den Köpfen der Verantwortlichen. Anders ist es kaum zu verstehen, dass man von Emden aus Delfzijl zwar sehen kann, aber um dorthin zu gelangen fast 100 Kilometer mit dem Auto fahren muss!

 

Wir fordern einen verstärkten Ausbau der Verkehrsverbindungen in Ost-West-Richtung, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Norden der Niederlande zu verbessern.

 

Das könnte übergangsweise mit der Einrichtung eines regulären Fährbetriebes über den Dollart realisiert werden; langfristig ist die Integration einer Straße und einer Schienenstrecke in den bereits angesprochenen Absperrdamm an der Emsmündung („Radbod- Damm“ zwischen Eemshaven und Manslagt) denkbar.

 

 

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