Nicht nur der Sommer beschert uns im Moment eine Menge heiße Luft

Windenergie kann er gut

Ein Kommentar zu den Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Johann Saathoff (SPD) über den Ausbaustopp der Windkraftanlagen im August 2018.
 
Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie das letzte Mal eine richtig leckere Mahlzeit gegessen habe? Ging es Ihnen auch so, dass Sie dann gleich noch eine Portion gegessen haben? Vom Kopf her hätte sicher noch eine gepasst. Aber der Bauch sagt irgendwann „Ich bin voll, nix geht mehr“. So ist das nun mal. Irgendwann ist man voll. Was macht man dann? Man tut irgendwas, um die Verdauung anzuregen.
 
Genau das funktioniert zurzeit aber nicht. Der norddeutsche Raum ist voll. Voll mit Windkraftanlagen. Und der stockende Ausbau der Stromtrassen sorgt dafür, dass dieses Völlegefühl so schnell nicht verschwindet. Diese schon errichteten Windkraftanlagen machen überhaupt erst so richtig Sinn, wenn das System funktioniert, wenn der Strom komplett ins Netz gespeichert wird. Erst dann lässt sich eventuell über einen sinnvollen und verträglichen Weiterausbau der Kapazitäten sprechen.
 
Enercon bekommt zurzeit die politik-gemachten „Verdauungsstörungen“ zu spüren. Und vielmehr noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeitsplätze verlieren. Das ist ein herber Rückschlag, in erster Linie natürlich für die betroffenen Menschen, insgesamt aber auch für unsere gesamte Region. Das ist nicht nur eine politik-gemachte „Verdauungsstörung“, das ist politik-gemachte Wohlstandsvernichtung. Unternehmen wie Enercon befinden sich in einem volatilen Markt. Die damit einhergehenden Risiken für die Gesellschaft hätten von der Politik erkannt werden müssen. Jetzt leiden die Menschen unter der totalen Selbstüberschätzung und dem mangelnden ökonomischen Verständnis unserer Volksvertreter.
 
Wie oft haben wir es denn schon gesehen, dass Unternehmensteile verlagert wurden. Und wie viele von uns waren schon selber davon betroffen? Trotz dieses völlig legitimen unternehmerischen Handelns liegt es doch auf der Hand, dass sich die Politik einen Plan B überlegen muss, eine Notfallstrategie, eine Fallback Lösung. Eine Reaktion wie „Damit hat keiner gerechnet“ zeigt nur, wie blind viele Marionetten eigentlich für die Realität sind und nur in ihrer eigenen Welt leben. Man kann bei den königlichen Bezügen, die der ein oder andere Staatsbediensteter erhält auch schon mal den Blick für die Realität verlieren. Als Beispiel (Quelle 1) schaue man sich nur mal an, mit was für astronomischen Summen wir Steuerzahlerinnen und Steuerzahler u.a. die Bürgermeister in Niedersachsen durchfüttern. Eigentlich ein echtes Armutszeugnis, dass wir als einziges Bundesland immer noch derartige Summen für solche Dinge verschwendet. Natürlich soll niemand leer ausgehen. Aber der Maßstab ist hierbei völlig entglitten und fern ab jeglicher sozialer Verträglichkeit und Akzeptanz. Und immer noch müssen manche unserer Kinder in den Schulen auf Toiletten gehen, die eher einer verfallenen Ruine gleichen als einer ihrer Würde angemessenen sanitären Anlage. Und immer noch klagen Polizei, Feuerwehr und medizinisches Personal, die jeden Tag unser Leben retten und häufig ihres dafür riskieren über Personalnot und mangelhafte Ausstattung. Und noch immer verwahrlosen Menschen in Altenheimen, weil es nicht genug Pflegerinnen und Pfleger gibt.
 
Doch zurück zur „heißen“ Windenergie. Es gibt da jene, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass ein „Weiter so“ nicht funktioniert. Die Aussage „Wenn sich jetzt noch jemand fragt, wer genau für den Verlust der Arbeitsplätze in der Windenergie verantwortlich ist, hier ist die Antwort.“ beweist eigentlich nur, dass übergeordnete Zusammenhänge nicht verstanden wurden. Was passiert denn, wenn sie schon so richtig vollgegessen sind und trotzdem noch weiter Essen in sie reingestopft wird? Das gibt eine schöne Sauerei. Aber kommen die Herren und Damen Volksvertreter dann um die Sauerei aufzuwischen? Wir bezweifeln es.
 
Stattdessen wird versucht, das politische Sommerloch mit heißer Luft zu füllen, die den aktuellen Temperaturen ähnelt. Es ist nichts weiter als ein subtiler Versuch Wählerstimmen zu fischen, denn man droht laut ARD Deutschlandtrend nur noch drittstärkste Kraft im Bund zu sein (Quelle 2). Das würde so ganz und gar nicht gut in der Parteikasse aussehen. Nicht, dass Stimmenfang etwas Untypisches wäre. Aber so ein bisschen mehr Verständnis für komplexe Zusammenhänge sollte dann doch vorhanden sein.
 
Man kann nicht sagen, dass es jetzt höchste Zeit wird, Alternativen für die entlassenen Menschen in unserer Region zu schaffen, welche das Abfedern der Massenentlassung ermöglicht. Denn dafür ist es dank der etablierten Parteien zu spät. Wir können jetzt nur noch Schadensbegrenzung vornehmen und versuchen, dass die betroffenen Menschen möglichst schnell wieder ins Arbeitsleben finden. Und dass es nicht zu einer Abwanderung der gut ausgebildeten Menschen kommt. Jeder kann in irgendeiner Form mithelfen. Z.B. können Angehörige von Betroffenen in Jobportalen nach potenziellen Stellen suchen oder oft gibt es ja auch jemanden, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, … Wenn jeder nur fünf Minuten investiert, dann können Sie nicht nur Ihren Mitmenschen, sondern der ganzen Region einen Gefallen tun.
 
Damit die nachkommenden Generationen nicht auch solche Hiobsbotschaften erleben werden, müssen wir jetzt den Grundstein legen für eine Gesellschaft, die mit offenen Augen handelt und nicht aus Duckmäusern besteht. Unternehmen können und dürfen auch nach wie vor nicht an „die Kette“ gelegt werden. Aber wir müssen einen Plan B haben. Wir brauchen:

  • Sicherungssysteme für Jobverluste, die über das staatliche System hinausgehen
  • Bildungsmaßnahmen und -einrichtungen, die im Ernstfall zügig und bedarfsgerecht Jobvorbereitungen durchführen können
  • Ein Hilfsbewusstsein, dass Menschen in Notsituationen schnell und unkompliziert unterstützt werden

 
Heute ist die Welt komplexer denn je. Und darum braucht es eine Politik, die mit wachen Augen handelt. Wir von der Partei „Die Friesen“ stehen für diese Politik.
 
Quellen

Bild: pexels.com
 

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