Mit Hashtags den Nachwuchs ins Visier genommen

Hey Bundeswehr

Ob eine Armee gebraucht wird oder nicht, soll hier nicht diskutiert werden. Und auch, dass es legitim ist, Mitglieder für eine Sache (solang sie nicht illegal ist) anzuwerben, steht außer Frage. Aber die Art, wie dies bei der Bundeswehr geschieht, ist völlig daneben.

 

Ein Werbeplakat der Bundeswehr an einer Haltestelle in Emden – Widdelswehr. Diese Bushaltestelle liegt mitten in einem Wohngebiet, nur 300m Luftlinie von einer Grundschule entfernt. Sonntags ist hier nichts los. Aber von Montag bis Freitag sind die Grundschüler dieser Werbung ausgesetzt.

 

Ein Kampfeinsatz wird hier verharmlosend als ein Samstagnachmittags-Ausflug mit seinen Freunden in Tarnkleidung bei Sonnenschein im Wald dargestellt. Es gleicht einem Spiel, wie etwa „Capture the Flag“. Ein Adrenalinkick für die gelangweilte Seele. Was jedoch hinter der Kamera passiert, ist nicht zu sehen. Brennende Häuser, zerstörte Familien. Tod, Leid, Verderben, Krankheit, Hass.

 

Hashtag (#) Kämpfen, man weiß sich mit der jungen Generation zu verbinden. #Sterben und #Töten verschweigt man aber lieber. So zockt der Nachwuchs also Fortnite und PUBG, wenn auf den Bus gewartet wird. Während der Ladezeit mal kurz wahrnehmend, dass es diese Spiele auch in echt gibt. Es gibt eine gute Antwort auf diese Gehirnwäsche: #Abreissen

 

Vor 85 Jahren gab es schon einmal Werbung für das Abenteuer Kriegsspiel im Wald:
 
„Meine Welt war Wiesede und die Welt außerhalb meines Ortes stellte ich mir genauso vor. Auch mit Beginn des Dritten Reiches im Januar 1933 gab es in Wiesede keine große Änderung, nur für uns Kinder kam etwas Neues. Wir konnten Mitglied werden beim Deutschen Jungvolk, eine Untergruppierung der Hitlerjugend.

Jedes Kind, das hier Mitglied war, durfte am Samstag an den Jugendspielen im Wald teilnehmen, während die anderen Kinder zur Schule gingen. Meine Eltern, die nichts mit Hitler zu tun haben wollten, verboten mir die Mitgliedschaft. Ich aber wollte unbedingt dabei sein – Geländespiele im Wald waren natürlich aufregender als Unterricht in der Schule.“
 
Aus „Johann Wilkens – Ich war dabei. 1941 – 1947 Meine Bilder von Krieg und Gefangenschaft, Elke Gharsallah, Hermann Lüers Verlag Jever, ISBN: 978-3-9813621-4-5“

 

Dass die Marketingabteilung der Bundeswehr den Bogen gerne mal überspannt, wird auch in anderen Beispielen deutlich. So greift man gerne die Re:Publica an, eine Konferenz in Berlin zum Thema Internet und digitale Gesellschaft. Da die Bundeswehr seit einiger Zeit eine Cyber-Abwehrtruppe betreibt, wollte man auf der Konferenz dabei sein und mitdiskutieren. Die ganze Geschichte gibt es im Blog der Re:Publica zu lesen (Quelle 1). Die Antwort auf den Ausschluss der Bundeswehr bei der Re:Publica ließ nicht lange auf sich warten. So gab es eine Protestaktion seitens der Bundeswehr, bei der die Infomaterialien vor dem Eingang verteilt wurden (Quelle 2 und 3). Es wurden im Nachgang zudem neue Werbematerialien gedruckt, welche die Entscheidung der Re:Publica Veranstallter auf lächerliche Art und Weise in Frage stellten.

Es wurde auch auf der Gamescom (Köln), der weltweit größten Messe für Videospiele, auf Postern im öffentlichen Raum, welcher nicht dem Messegelände angehörte, mit den Worten „Multiplayer at it’s best“ geworben (Quelle 4). So etwas ist eine Verharmlosung von Gewalt, von Tod, Leid und Zerstörung. All das wird in den Kontext von Videospielen gebracht und dedr jungen Generation präsentiert.

 

Die Diskussion um das Verbot von Egoshootern ist gefühlt schon so alt wie die Menschheit selber (Quelle 5). Aber es braucht genauso eine Diskussion um diese Art von Werbung der Bundeswehr. Bei der Werbung für Tabak hat das doch auch geklappt.

 

Es geht hier gar nicht um die Bundeswehr als Ganzes. Sie leistet immerhin auch Aufbauhilfe und Hilfe bei Katastropheneinsätzen. Doch trotzdem sollte man sich darüber im Klaren sein, welche Verantwortung man trägt. Speziell die, die solche Werbekampagnen entwerfen. Vielleicht sollten diese Menschen auch mal ganz vorne mit dabei sein. Denn Krieg ist ganz sicher kein Geländespiel.

 

Quellen (Letzter Abruf 2.9.18):

 
Update 6.9.18
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