Ein Kommentar zum Thema Do-it-yourself

Der Staat wird’s schon richten

In vielen Diskussionen fällt der Wunsch, dass die Politik mehr gegen dies und jenes tun müsse. Immerhin sind die Angehörigen der Legislative die von uns gewählten oder manchmal auch selbsternannten Vertreter unseres politischen Willens. Voller Erstaunen und mit absoluter Entrüstung stellt man dann eines Tages fest, dass der/die gewählte Volksvertreter/in plötzlich nicht mehr das macht, was doch einst so vollmundig im Wahlkampf versprochen wurde. Ein Skandal. Wie konnte denn so etwas nur passieren. Dann wird groß in Zeitungen und im Rundfunk darüber berichtet. Man regt sich tierisch darüber auf. Fordert eine sofortige Amtsenthebung. Will selber dafür sorgen, dass so etwas nie wieder vorkommt. Doch bevor man irgendetwas unternimmt, ist man durch das Smartphone abgelenkt, eine neue Nachricht in meiner WhatsApp Katzenbabybildergruppe. Och nee, wie süß. Das muss ich gleich teilen.
 
Der lautstarke Protest vom Sofa aus ist bequem und beruhigt das Gewissen. Die Politik in Berlin gleicht einem Theaterstück (nicht negativ gemeint), dem man emotional folgen kann oder eben auch nicht. Man hat auch schon das Wort „Marionetten“ in diesem Zusammenhang gehört. Vergleichbar mit einem TV-Programm zur Primetime. Wir gestehen uns fälschlicherweise ein, selbst keine Möglichkeit zu haben, etwas zu bewegen. Der Weg zum einflussreichen Politiker ist steinig, hart und lang. Dafür hab‘ ich keine Zeit, ich muss ja dieses und jenes tun. Und dann gibt es auch noch so viele Chatgroups, um die ich mich kümmern muss. Sonst verliere ich wohlmöglich noch den Anschluss. Dann doch lieber ein weiter so. Die anderen werden es schon richten.
 
Zugegeben, dies ist eine überspitzte Darstellung einer ganz alltäglichen Situation. Aber sie ist auch nicht frei erfunden. Eine politische Elite kapselt sich mehr und mehr von der bürgernahen Realität ab, gestützt durch die ununterbrochene Ablenkung der Wählerinnen und Wähler durch die Massenmedien a lá soziale Netzwerke und co.
 
Allzu oft gibt es diese Haltung, dass der Staat für uns verantwortlich ist und uns mehr und mehr schützen muss. Keine Frage, eine staatliche Organisation der Sicherheit durch Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsversorgung ist etwas sehr Wundervolles und den Menschen in diesen Bereichen sollte viel mehr Dankbarkeit entgegenkommen. Doch leider vergessen wir, dass wir in erster Linie auch für uns selber verantwortlich sind. Und in vielen Fragen sollten wir uns durchaus weniger auf den Staat verlassen, als wir es tun.
 
Ein Beispiel dafür ist die Diskussion um das Verbot von Glyphosat. Darüber wird schon etliche Jahre debattiert. Es gibt politische Lager, die nach eigenen Aussagen an vorderster Front kämpfen und andere wiederum, die einen Ausstieg vom Ausstieg viel sinnvoller halten. Es lässt sich nicht abschätzen, wie viel Geld tatsächlich schon in endlosen Besprechungen verbrannt wurde (siehe Quelle 1: Gehälter in der Politik) und noch immer gibt es Glyphosat auf unseren Äckern. In anderen Artikeln auf unserer Seite haben wir bereits dargestellt, dass ein wesentlicher Faktor nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das Kaufverhalten der Konsumenten ist. Und noch immer verlassen wir uns darauf, dass die Politik irgendwann mal sagt, in welche Richtung wir gehen sollen. Dieses ziellose Fortbewegen muss nicht sein, wenn wir die Dinge selber in die Hand nehmen. Es gibt viele Modelle, wie eine giftfreie Landwirtschaft auch wirtschaftlich umsetzbar ist. Mit jedem Bissen, den wir zu uns nehmen, können wir die Welt verändern. Möglich sind zum Beispiel auch genossenschaftliche Zusammenschlüsse. Und so banal es auch klingt, wir brauchen die regierende Politik dafür nicht. Natürlich ist dieses ein einfaches und wenig ausgeführtes Beispiel, wie einer der wichtigsten gesellschaftlichen Aspekte, die Versorgung mit gesunden Lebensmittel, durch Selbstverwaltung erreicht werden kann. Doch prinzipiell kann daraus ein realer, funktionierender Kreislauf entstehen.
 
Begeben Sie sich doch bitte nicht in eine totale Abhängigkeit. Es ist schon schlimm, dass manch ein Zeitgenosse seinen Blick kaum noch vom Smartphone abwenden kann und offensichtlich abhängig von grellen LEDs ist. Und bei manch einem Tweet-Dauerfeuer hat man diese Sorge auch bei einigen der Volksvertreter/innen in der Hauptstadt. Wenn jetzt zu dieser Tech-Abhängigkeit (die krumme Körperhaltung ist übrigens schon lange bekannt als „Tech-Neck“: Quelle 2) auch noch die absolute Auslieferung der eigenen Sinne an die meinungsausgebenden Institutionen erfolgt, leben wir bald in einer totalen Abhängigkeit. Egal wie alt und reif man sich dann nennen möchte. Und wohin eine absolute Unmündigkeit führt, hat die Geschichte des Öfteren schon in seiner hässlichsten Fratze gezeigt.
 
Sie können die Dinge selber in die Hand nehmen. Dafür müssen Sie sich nicht einmal einer Partei oder irgendeinem anderen Verein anschließen. Es gibt so viele Dinge, die Sie tun können, um unsere Gesellschaft besser zu machen. Dafür brauchen Sie keine Normen und Gesetze aus Berlin oder Brüssel. Gerade die kleinen Schritte sind die wichtigsten, denn sie sind der Anlauf für den großen Sprung.
 
Jetzt werden Sie sich vermutlich fragen, wie denn die Aussage „Wir brauchen die Politik nicht“ auf der Seite einer politischen Partei stehen kann. Dies liegt einfach daran, dass wir Friesen uns nicht als Partei sehen, die irgendwo in Berlin in unzähligen Arbeitskreisen und Diskussionsrunden ihre Zeit absitzt. Wir sehen unsere Partei als einen Zusammenschluss von Menschen in unserer Heimat, für unsere Heimat. Unabhängig und frei. Zu diesem Zusammenschluss ist jeder herzlich eingeladen. Wir zusammen können das schaffen, was andere seit unzähligen Jahren mit Verboten und Gesetzen zu erreichen versuchen. Wir können Feuer entfachen und eine Gesellschaft leben, wenn wir den Ballast des Überflüssigen abwerfen.
 
Quellen

  1. Quelle 1: Gläserner Abgeordneter
  2. Quelle 2: Tech-Neck