Immer mehr alternde Politiker äußern sich zum Thema Leben im Alter und das ist auch gut so. Sie sehen die Probleme, die im Alter auftreten objektiver als in jungen Jahren und haben ein besseres Urteilsvermögen.
Mir fallen Namen wie Altkanzler Helmut Schmidt, Henning Scherf und Altbundespräsident Walter Scheel ein, Politiker einer Generation, die wahrscheinlich irgendwann pflegebedürftig werden oder die es schon sind. Walter Scheel hat kürzlich seine Außenansicht in der SZ geschrieben, die mir persönlich gefallen hat und jeden, der im politischen Entscheidungsbereich Gesundheit tätig ist, zum Nachdenken anregen soll. Wer könnte es besser erklären als ein fast 93–Jähriger? Er wünscht sich, das ältere Menschen mehr Würde und Anerkennung erleben und die Jugend mehr in den Pflegebereich einbezogen wird. Er fordert Ansätze wie "Bonus für Stipendien" oder Ausbildungsplatzgarantien für die, die ein Jahr im Pflegeheim helfen – also die Pflege attraktiver machen, und was noch wichtiger ist, den Beruf des Pflegers attraktiver machen. Walter Scheel möchte noch erleben, "dass junge Schulabsolventen ebenso stolz den Berufswunsch Pflegekraft äußern wie etwa Bankkaufmann" - was ebenso richtig ist, wie die heute tätigen Pflegenden besser zu bezahlen, Gesundheitsprävention zu betreiben und ein harmonisches Arbeitsumfeld zu schaffen.
Scheel schreibt: "Schämen wir uns eigentlich nicht dafür? Was sind das so oft für katastrophale Zustände in Alters- und Pflegeheimen, von der persönlichen Geringbetreuung aus Personalmangel ganz zu schweigen, finanziert über ein akribisches Abrechnungssystem nach Modulen, wo jede kleinste "Dienstleistung" der Pfleger am Monatsende berechnet wird! Unhaltbar, solche Verhältnisse! Unsere Gesellschaft krankt auch in diesem Bereich immer mehr an einer menschlichen Verrohung." Und damit hat er absolut Recht! Unsere Gesellschaft krankt an einer menschlichen Verrohung! Wir müssen endlich aufwachen und denen zuhören, die uns wirklich was zu sagen haben, also denen, die aktiv in der Pflege arbeiten und alternden Mitbürgern wie in diesem Fall Walter Scheel.
Die Bürokraten und Theoretiker haben jahrzehntelang versagt. Seid endlich still und lasst die arbeitenden Pflegekräfte zu Wort kommen und mitentscheiden! Sie können es besser als lamentierende Politiker und Pflegewissenschaftler. Walter Scheel möchte die Politik auffordern, nicht nur die Pflege, sondern den gesamten Umgang mit der älteren Bevölkerung fortzuentwickeln - nach der Formel von Immanuel Kant "Die Pflicht gegen sich selbst besteht darin, dass der Mensch die Würde der Menschheit in seiner eigenen Person bewahre".
Aus wirtschaftlichen Gründen habe ich meine selbstständige Tätigkeit im Bereich der Seniorenpflege aufgegeben, aber ich werde diesen weisen Ratschlag befolgen und weiter kämpfen für eine optimale Seniorenversorgung und für ein besseres Berufsbild in der Pflege. Die Gesellschaft, vor allem aber die Politik hat die Pflicht, sich der Würde der Alten anzunehmen. Um einen für ganz Deutschland geltenden Lebensentwurf zu formulieren, schreibt Walter Scheel und ich ergänze diese Forderung, sich der Probleme derer, die hart in der Pflege arbeiten, anzunehmen.
Euer Fred Iken.
Bürger fragen, wir antworten!
Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Kommentare
Schon morgen kann jeder von uns betroffen sein. Deshalb muss man im Vorfeld agieren und nicht nur reagieren.
Wir alle müssen zwingend die letzten "humanen Errungenschaften" retten, verteidigen und neu aufbauen.
Deshalb sind auch die Älteren und "Vomlebengezeichnete" in unserer Partei herzlich willkommen. Wir, Die Friesen, sind eben eine echte Volkspartei.
Allerbest ut Brookmerland,
Ralf Bieneck
die Gesellschaft ist auf dem Weg der Verrohung, aber wir können und müssen diese Verrohung aufhalten, in dem wir aufstehen und uns wehren - denn morgen können wir schon die Betroffenen sein.
Wir beide haben doch schon den richtigen Weg eingeschlagen
den politischen Weg über die Partei die Friesen. Gesundheitspolitik geht uns alle an: also liebe Nutzer der virtuellen Welt mitmachen und mitkämpfen bei den Friesen!
ich bin bekanntlich nicht gerade der große FDP-Fan, aber wo Walter Scheel recht hat, hat er eben recht!
Meine Mutter, eine examinierte Altenpflegerin i.R., hat mir von unzumutbaren Zuständen im Pflegebereich, sowohl für's Personal als auch für die ZUPFLEGENDEN berichtet.
Vor einigen Wochen habe ich sehr interessiert einen Bericht aus Thailand verfolgt. Dort ist der Umgang mit den "Alten" regelrecht eine Ehre und wird als selbstverständlich betrachtet. Vermutlich ist es der Preis des sogenannten "Wohlstands", dass Unproduktive, Arme, Menschen mit Handicap und Wehrlose beiseite gedrückt werden und dem Untergang geweiht sind.
Wenn das Demokratie in einem Sozialstaat ist, ist die komplette Verrohung so kaum aufzuhalten.
Eala frya Fresena!
Lever dood as Slaav.
Ralf Bieneck
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.