Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland am 21. Juni 2018 wegen Verletzung von EU-Recht verurteilt

Warum bringen die Bauern Gülle auf das Land?

Deutschland hat nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs über Jahre hinweg zu wenig gegen Überdüngung mit Gülle und Verunreinigung des Grundwassers durch Nitrat getan. Der EuGH gab einer Klage der EU-Kommission gegen Deutschland statt.

 

Warum bringen die Bauern Gülle auf das Land?

Viele glauben, dass das Verbringen von Gülle auf die Ländereien nur eine Entsorgung eines leider bei der Tierhaltung anfallenden Nebenprodukts ist. Und diese Entsorgung erstens fürchterlich stinkt, unser Grundwasser verseucht und außerdem total überflüssig ist, so etwas hat man früher auch nicht gemacht. Soweit eine weitverbreitete Meinung.

 

Aber was ist Gülle, warum bringt man sie auf die Felder, welchen Nutzen hat es?

Die Gülle, ein Flüssigmist, ist ein natürlich anfallender Wirtschaftsdünger mit einem hohen Gehalt an Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Nährstoffen. Es ist die Rückführung einer organischen Substanz in den Boden als Nahrung für die Bodenlebewesen und als Ausgang der Humusbildung. Es werden dem Boden wichtige Pflanzennährstoffe zugeführt.

Jede Pflanze benötigt Nährstoffe, die wichtigsten sind Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Diese holt sie sich aus dem Boden, welcher wieder durch die abgestorbenen Pflanzenreste aufgefüllt wird. Nutzt man jedoch den Aufwuchs (bspw. als Futtermittel) müssen die fehlenden Nährstoffe wieder aufgefüllt werden. Dazu stehen Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist, usw.) oder Kunstdünger zur Verfügung.

Es ist also ökologisch und ökonomisch sinnvoll, die Nährstoffe in der Landwirtschaft soweit wie möglich im Kreislauf zu halten. Daher hat die Wiederverwertung der im Betrieb anfallenden organischen Abfälle wie Stallmist, Jauche und Gülle seit jeher Priorität für die Landwirtschaft. Da diese Wirtschaftsdünger nur zu bestimmten Zeiten im Jahr sinnvoll eingesetzt werden können, müssen sie in der Zwischenzeit möglichst verlustarm gelagert werden.

 

Welche  Gefahren sind damit verbunden?

Wird das Land zu stark gedüngt oder gar überdüngt, können die Erträge sinken. Es gilt also die Pflanzen optimal mit Mineralstoffen zu versorgen.

Anhand von Bodenuntersuchungen, die Landwirte vornehmen lassen, kann die Düngung an die Bedürfnisse der jeweiligen Kulturpflanze angepasst werden. Wird mehr Dünger als benötigt ausgebracht, sind die Pflanzen nicht mehr in der Lage, diese großen Mengen aufzunehmen. Die Gülle gelangt ungenutzt ins Grundwasser, das führt zur Belastung von Grundwasser und Oberflächenwasser.

Gelangen zu viele Nährstoffe in Oberflächengewässer, führt das zu einem unkontrollierbaren Pflanzenwachstum. Dieser auch Eutrophierung genannte Vorgang ist auch dafür verantwortlich, dass viele Badegewässer in den Sommermonaten gesperrt werden müssen, da es dort zu giftigem Algenwachstum kommt.

Das Problem der Überdüngung besteht vor allem bei den Großbetrieben, der Agrarindustrie, mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und hohem Viehbestand. Hier ist dann der Zweck des Ausbringens von Gülle und Mist oftmals weniger die Steigerung des Ertrags, als tatsächlich eine Entsorgung der tierischen Exkremente aus den Mastbetrieben.

 

Daraus resultiert dann auch der „Gülletourismus“.

Den im Vergleich zu Deutschland flächenmäßig kleineren Niederlanden, fehlt es an Ausbringungsmöglichkeiten für die dort riesigen Güllemengen, die Gülle wird zum Abfallstoff.

Die niederländischen Landwirte zahlen für die Abnahme ihrer Gülle in Deutschland zwischen 18 und 25 Euro pro Kubikmeter. Mehr als 2,2 Millionen Tonnen dieses Tierdungs wurden laut der niederländischen Behörde RVO (Rijksdienst voor Ondernemend Nederland) 2016 exportiert. In grenznahe deutsche Gebiete liefern Tanklastwagen die stinkende Fracht direkt an die Abnehmer. Für längere Strecken reist der Großteil des Tierdüngers per Schiff den Rhein entlang. Umgerechnet rund 66.000 LKWs oder 900 Schiffsladungen kommen pro Jahr aus den Niederlanden nach Deutschland.

So ist Deutschland der größte Abnehmer für den niederländischen Dung, obwohl er im Inland überreichlich vorhanden ist.

Seit dem 2. Juni 2017 gilt für Landwirte eine neue Düngeverordnung. Es darf nur noch so viel Gülle auf die Felder, wie die Pflanzen tatsächlich benötigen. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa Bildfunk

 

Fazit:

Um die Nitratbelastung in unserem Grundwasser zu beheben, brauchen wir EU weit eine Abkehr von der großindustriellen Agrarwirtschaft.

Kleine und mittelständische Bauernhöfe müssen für ihr verantwortungsvolles Bewirtschaften der Höfe mehr und gezielt gefördert werden. Die Massentierhaltung muss begrenzt werden, es muss konsequent eine flächengebundene Tierhaltung eingeführt werden.

Die neue Düngeverordnung von 2017 lässt noch zu viele Ausnahmegenehmigungen und Schlupflöcher zu, vor allem für die Großbetriebe.

Prof. Friedhelm Taube von der Kieler Christian-Albrechts-Universität stellt der 2017 eingeführten Düngeverordnung ein schlechtes Zeugnis aus: „Das hat nichts mit seriöser Politik fürs Allgemeinwohl zu tun, sondern das ist eine Politik, die einige wenige befördert und die große Breite guter Landwirtschaft bestraft. Es werden die Schlechten legalisiert und die Guten betraft“, so Taube im NDR-Gespräch.

 

 

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