BI Lebensqualität Horsten-Etzel-Marx:

Stilllegung von Salzkavernen – wissenschaftlich ein ungelöstes Problem

[Quelle: ndr.de, Filmausschnitt]
[Quelle: ndr.de, Filmausschnitt]
Endlich liegt die Wahrheit auf dem Tisch. Die von den Betreibern, den Landesbergämtern und der verantwortlichen Politik behauptete „langzeitgesicherte Endverwahrung von Salzkavernen“ ist wissenschaftlich alles andere als erwiesen. Im September 2014 fand in Groningen (Niederlande) die jährliche Fachtagung des SMRI (Solution Mining Research Institute) statt.

 

Das SMRI ist die Interessenvertretung der Salzkavernenindustrie. Durch dieses Institut werden in Zusammenarbeit mit Sponsoren aus der Industrie und engagierten Wissenschaftlern technische und wissenschaftliche Konzepte für den Kavernenbau entwickelt. Laut Herrn Söntgerath (LBEG) präsentieren die Ergebnisse dieses Institutes den jeweiligen Entwicklungsstand der Technik und der Wissenschaft, in Neudeutsch auch den „state of the art“ genannt.

 

In einem Fachvortrag von Mitarbeitern des IfG-Leibzig (Institut für Gebirgsmechanik GmbH) wurde die Problematik der Stilllegung von Salzkavernen nach der industriellen Nutzung detailliert erläutert. Zusammengefasst kommt dieses Institut zu folgenden Ergebnissen:

 

Das Langzeitverhalten von stillgelegten Kavernen bleibt ein aktuelles Thema der Forschung. Ein in sich konsistentes Abnahmekonzept liegt bis heute noch nicht vor. Weil die Dichte der Sole (ihr Gewicht) niedriger ist als die des Salzgesteins, führt das unweigerlich zu einem hydraulisch bedingten Druckanstieg im Dachbereich der Kaverne, wodurch es zu einem makroskopischen Bruch im Kavernendach kommen kann. Deshalb muss dieser Effekt sehr sorgfältig weiter untersucht werden. Im Falle der Verfüllung der Kaverne mit Feststoffen gelten die o.a. Aspekte weiterhin, weil diese Feststoffe nur in einem pumpfähigen Gemisch (z. B. Asche und Wasser) eingepresst werden können. In Laborversuchen hat man festgestellt, dass diese Aufschlämmungen ein flüssigkeitsähnliches Verhalten haben und die Druckprobleme im Dachbereich der Kavernen darum lediglich unwesentlich beeinflusst werden.

 

Diese Ergebnisse betätigen somit die von Dr. Krupp in seinem Kurzgutachten zur „Langzeitsicherheit von stillgelegten Salzkavernen“ aufgezeigten wissenschaftlichen Erkenntnisse in vollem Umfang. Dieses Gutachten wurde bis heute vom Landesbergamt und der Politik völlig ignoriert.

 

Das Landesbergamt als Genehmigungsbehörde verwendet in seinen bisherigen Argumentationen ausschließlich die Behauptungen, die in dem von der IVG vorgelegten Gutachten zum „Stand der Kavernenverwahrung“ enthalten sind. Dieses Gutachten, welches zu allen o. a. Erkenntnissen Gegenteiliges aussagt, wurde am 14.03.2012 von dem Dipl.-Mathematiker Armin Lindert im Rahmen der Leitbildentwicklung vorgestellt.

 

Die Nachdenklichkeit des aufmerksamen Lesers anregend sei hier erwähnt, dass Armin Lindert ebenfalls für das IfG-Leipzig tätig war bzw. noch ist (?). Ist es möglich, dass bei den von der Industrie eingekauften Gutachten, die wissenschaftlichen Erkenntnisse oftmals den Wünschen des Auftraggebers entsprechend angepasst werden?

 

In seiner Stellungnahme zum letzten Sicherheitsverstoß im Kavernengelände Etzel am 21.02.2015 versprach Wirtschaftsminister Olaf Lies das Thema „Endverwahrung von Kavernen“ transparent und offen für neue Anregungen mit interessierten Bürgern zu diskutieren. Die BI ist gespannt, ob die hier aufgeführten aktuellen Erkenntnisse als „neue Anregungen“ in dieser Diskussion Berücksichtigung finden werden.

 

[Quelle: bi-lebensqualitaet.de]

 

 

ndr-bodenabsenkung-etzelVideo auf ndr.de: Kontroverse über künftige Bodenabsackung in Etzel