Die Deutsche Bahn lässt Emden im Stich. Und mit der Stadt eine ganze Region.

Abgehängt. Abgekoppelt. Abgeschnitten.

Quelle: pexels.com

 
Die Deutsche Bahn sieht keinen Bedarf für eine zweite Brücke über den „Alten Binnenhafen“ in Emden (Quelle 1).
 
Studenten, Pendler, Reisende. Fast jeder, der regelmäßig nach Emden mit der Bahn anreist, wird es schon einmal erlebt haben. Schienenersatzverkehr ab Leer. Geplatzte Termine, Fähre nicht erwischt, Frust. Und das ist nur die Sicht der Privatpersonen. Das Gewerbe ist hierbei noch gar nicht genannt.
 
Im Jahre 2017 kamen mehr als 300.000 Touristen nach Borkum und fast 545.000 nach Norderney (Quelle 2). Ein Großteil von ihnen reist mit dem Zug an. Und jeder einzelne von ihnen muss mit dem Zug dieses baufällige Stück Metall passieren. Zwar wird man überall hören, dass diese Brücke nicht einstürzen wird. Doch das hat man in Genua auch immer gesagt (Quelle 3).
 
Nicht nur, dass es verantwortungslos ist, einen so wichtigen Verkehrspunkt über die Jahre so herunterkommen zu lassen. Es ist blanker Hohn, dass immer nur wieder „instandgesetzt“ wird. Eine Fleischwunde lässt sich nicht mit Pflastern behandeln. Da muss genäht werden.
 
Bei all den Problemen, welche die Bahn im Moment hat (Quelle 4), soll man da wirklich glauben, dass eine Situation wie in Emden noch wahrheitsgemäß eingeschätzt werden kann? Oder wird nicht einfach nur versucht, die Gefahr unter den Teppich zu kehren? Eine Sache ist bei der Bahn aber sicher: die regelmäßige Preiserhöhung. Zumindest da scheint man kein schlechtes Gewissen zu haben.
 
Es muss endlich Schluss sein mit den Ausreden, dem Versteckspielen, dem Schönreden. Emden braucht eine neue Brücke! Nicht nur die Pendler, Studenten und Reisenden nach Emden sind die Verlierer in dieser Geschichte. Sondern das ganze Gewerbe, das seine Geschäfte über die Schienen abwickelt. Und mit ihm der wirtschaftliche Erfolg der Region. Und hier ganz besonders wichtig, der Tourismus.
 
Eine dauerhaft ausfallende Eisenbahnbrücke alleine wäre schon eine fatale Sache. Aber die Behinderungen durch die Baustelle auf der A31 verschlimmern die ganze Situation noch. Eine Fahrt nach Emden wird in Zukunft dann im schlechtesten Fall wohl eine zeitintensive Sache. Und alles nur, weil man von einem Staatskonzern als unwichtig betrachtet wird. Stattdessen wird mit dem Prestigeprojekt, der ICE Verbindung Berlin – München geworben. Sind wir im Nord – Westen in den Augen der DB denn so viel weniger Wert als die Menschen, die zwischen Großstädten pendeln?
 
„Die Friesen“ fordern, den Druck auf die Bahn massiv zu erhöhen. Hier müssen alle betroffenen Personen, Institutionen und Gewerbe an einem Strang ziehen. Nicht nur die Pendler und Touristen wären von einem dauerhaften Ausfall der Eisenbahnbrücke in Emden betroffen, sondern die Wirtschaft unserer ganzen Region. Es muss eine neue Eisenbahnbrücke in Emden geben und keine „Instandsetzung“.
 
Fun Fact zum Schluss: Richard Lutz, CEO der DB, verdient übrigens ein Grundgehalt von 900.000 Euro (Quelle 5). Damit könnte er 65.217 mal mit seiner Bahn von Leer nach Emden und zurück fahren (Preiserhöhungen nicht berücksichtig). 178 Jahre, jeden Tag. Wohlgemerkt: könnte. Wenn da nicht die Eisenbahnbrücke wäre.
 
Endstation Bahnhof Leer. Mehr kommt da wohl nicht Richtung Westen.
 
 
Quellen

 
UPDATE 25.01.2019
Dieser Artikel aus dem Handelsblatt zeigt noch mehr, in welchem desaströsen Zustand die Brücken der deutschen Bahn sind: Handelsblatt