Es darf keine Wiederbelebung der giftigen Industrieruine in Engerhafe geben! Wir müssen unser Grundwasser schützen!

„Die Friesen“ unterstützen die Ziele der BI Südbrookmerland / Brookmerland

Ostfriesische Nachrichten vom 13. Dezember 2018, Archivfoto: Janssen

 
Initiative kritisiert Energieunternehmen scharf
 
Die Bürgerinitiative sorgt sich wegen angeblich maroder Anlagen auf dem Betriebsplatz in Engerhafe.
VON HOLGER JANSSEN
 
Die Mitglieder der Engerhafer Bürgerinitiative gegen Gasbohrungen trauen dem Energieunternehmen Vermilion weiterhin nicht über den Weg. Mit scharfen Worten wenden sie sich nun an das Landesbergamt.
 
Engerhafe. Die Bürgerinitiative (BI) gegen Gasbohrungen in Südbrookmerland und Brookmerland übt erneut Kritik an der Informationspolitik des Gasförderunternehmens Vermilion Energy. Das geht aus einer Mitteilung der Aktivisten hervor. Man habe die Zeit seit dem letzten Gespräch mit den Vermilion-Verantwortlichen genutzt, um eigene Recherchen anzustellen. Die Ergebnisse, so BI-Sprecher Thomas Puhahn, stärkten nicht das Vertrauen in Vermilion und die vom Unternehmen erteilten Auskünfte.
 
Im Gegenteil. Es dränge sich der Verdacht auf, dass in Engerhafe an allen Gesetzen und Verordnungen vorbei ein hochgradig gefährliches und umweltschädigendes Projekt aus reiner Profitgier vorangetrieben werden soll, heißt es aus der BI. Ein Schreiben mit einer entsprechenden Formulierung hat die BI Anfang Dezember an das zuständige Landesbergamt in Hannover geschickt. Darin fordern die Aktivisten, im Zuge eines möglichen Genehmigungsverfahrens für die Wiederinbetriebnahme der Erdgas-Bohrstelle Engerhafe Z1 die gleichen Maßstäbe anzulegen, die bei einer Neugenehmigung zum Tragen kämen. Von der Behörde fordert die BI in dem Schreiben, das den Ostfriesischen Nachrichten vorliegt, eine Stellungnahme bis zum 2. Januar.
 
Vorwurf: Rohre sind stark korrodiert
 
Zur Begründung führt die BI vor allem den Zustand der Rohre an, die nach der Einstellung der Gasförderung 1992 verfüllt wurden. Wie berichtet, plant Vermilion im Falle einer Wiederaufnahme der Förderung, die alte Bohrung wieder zu öffnen. Die Bürgerinitiative legt nun jedoch Unterlagen vor, denen zu entnehmen sei, dass die Rohre stark korrodiert seien. Ein sogenanntes Standrohr, das zum Schutz des Grundwassers in den Boden gesetzt werde, sei nur 17,5 Meter lang. Vom Wasserversorger OOWV habe man jedoch erfahren, dass das Grundwasser in 35 bis 100 Metern Tiefe liege.
 
Wenig Glauben schenkt die Bürgerinitiative auch den Worten des Vermilion-Generalbevollmächtigten Dr. Jürgen Rückheim. Der hatte, wie berichtet, gesagt, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Wiederaufnahme der Förderung noch eine Weile anhalte. Erst im dritten Quartal 2019 sei mit einer Entscheidung zu rechnen. „Das kann man glauben, man kann es aber auch lassen“, so Puhahn. Wer für eine solche Wirtschaftlichkeitsberechnung ein ganzes Jahr benötigt, arbeite vermutlich noch mit einem Rechenschieber. Es sei wenig realistisch, wenn ein Unternehmen erst zu einem so späten Zeitpunkt mit der Berechnung der Wirtschaftlichkeit eines Projekts beginne.
 
„Müssen uns selbst zur Wehr setzen“
 
Puhahn ist der Ansicht, dass für den Schutz der Bürger und ihres Trinkwassers nur dann etwas getan wird, wenn diese sich selbst zur Wehr setzen. Bei der von Vermilion favorisierten Wiedereröffnung handele es sich vielmehr um Wiederbelebungsversuche an einer giftigen Industrieruine.
 
Daher fordert die BI die Bürger in Südbrookmerland und im Brookmerland auf, selbst aktiv zu werden. Diese sollten sich ein Beispiel an Bürgern aus Verden nehmen, die es mit Hilfe der Kommunalpolitik geschafft hätten, einen Energiekonzern „vom Platz zu jagen“.
 
„Ihren heimischen Sessel kennen Sie bereits, uns kennen Sie vielleicht noch nicht, also engagieren Sie sich in unserer BI“, so Puhahns Aufruf. „Ihre Kinder und Enkelkinder werden es Ihnen danken.“ Für Fragen und Informationen steht Puhahn unter Telefon (0176) 57694615 zur Verfügung.